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16’800.- CHF für einen „Marketingvertrag“: Was ist los mit uns Webdesignern?

Vorgestern Abend strahlte das Schweizer Konsumentenmagazin Kassensturz im Schweizer Fernsehen eine Reportage aus. Thema waren die Praktiken einer Unternehmung aus Luzern namens Konzeptler AG. Tags darauf veröffentlichte die Schweizer Gratiszeitung 20 Minuten ebenfalls einen Artikel über die besagte Firma.

Teurer Vertrag?

Hintergrund: Laut Aussagen ehemaliger Angestellten behauptet die Firma am Telefon, dass sie neue „Partner“ suche. Sie würde für diese kostenlos eine „moderne“ und „professionelle“ Webseite erstellen. Der Haken bei der Sache: Die Kundschaft müsse zwingend in einen sogenannten „Marketingvertag“ einwilligen, welcher mit 350.- CHF (rund 320.- EUR) monatlich  zu Buche schlage. Da die Vertragslaufzeit jeweils 48 Monate (also vier Jahre) betrage, kämen so kosten von 16’800.- CHF (rund 15’000.- EUR) zustande.

Die Angestellten hätten hierzu der Kundschaft vorrechnen müssen, welche Kosten für die Erstellung ihrer Webseite entstanden worden wären, wenn diese weiterverrechnet worden würden. Diese hätten sich u. a. mit Social-Media-Verknüpfung, SEO, und der Programmierung auf insgesamt 50’000.- CHF  belaufen.

Unklare Strukturen?

Die Versprechungen seien aber deutlich zu hoch gegriffen gewesen und die Arbeiten seien insgesamt mangelhaft ausgeführt worden. Ferner sei die als Geschäftsführerin eingetragene Isabelle Zbinden nur eine normale Angestellte, die Entscheidungsbefugnis läge beim „Geschäfts- und Lebenspartner“ Iliran Mala. Dieser sorge auch für ein negatives Kommunikationsklima gegenüber Mitarbeitenden und der Kundschaft.

Eine mögliche Verbindung zur mittlerweile wegen Konkurs aufgelösten Firma Bärenstark AG, welche mit ähnlichen Praktiken aufgefallen sei, verneine Iliran Mala. Dies, obwohl Informationen aus dem Handelsregisteramt (Protokoll der Generalversammlung) etwas anderes aussagen würden.

Da die Herrschaften der besagten Firma Konzeptler AG offenbar vor juristischen Schritten gegenüber Kritikern nicht zurückschrecken (Herr Mala wird im Bericht als „Mann fürs Grobe“ bezeichnet), möchten wir uns an dieser Stelle keinesfalls ein Werturteil gegenüber der Firma und Ihren Arbeitsweisen erlauben.

Ein System?

Gemäss unserem Kenntnisstand sind oder waren u. a. folgende Unternehmungen in der Schweiz aktiv:

-Bärenstark AG (inaktiv)
-Löwenherz Medien AG (inaktiv)
-Neundenker AG
-Konzeptler AG
-Euroweb Internet GmbH (Inaktiv)
-Alpenweb AG

Gut und böse

Wie lassen sich nun aber nette von bösen Webdesignern unterscheiden? Nun, das lässt sich leider nicht pauschal beantworten. Bei folgenden Vorkommnissen sollten unseres Erachtens nach aber die Alarmglocken läuten:

-Unerwünschte Werbeanrufe mit oftmals schlecht informierten Verkäufern (keine Produktekenntisse, lesen offensichtlich einen Standardtext vor, drängen zu Abschluss etc.)
-Sehr viele Anrufversuche
-Aufdringliche Vertreterbesuche
-Webseite wird zuerst als gratis angepriesen, später aber stellt sich heraus, dass ein kostenpflichtiges Servicepaket abgeschlossen wurde
-Mehrjährige Verträge (angeblich) ohne vorzeitige Beendigungsmöglichkeit
-Übertriebene Versprechungen und Behauptungen (Webseite sei existenzsichernd, es werde Platz 1 bei Google erreicht, das Unternehmen werde garantiert mehr Umsatz generieren etc.)

Sie sehen, dass offenbar leider nicht alle Webdesigner den Kunden im Mittelpunkt haben sondern vermutlich etwas anderes…

Nach der Unterschrift

Was aber tun wenn man schon unterschrieben hat?

Es gibt unseres Erachtens nach durchaus Möglichkeiten, aus diesen Verträgen auszusteigen (Stichwort Widerruf von Aufträgen). Dies sollten Sie aber mit einer juristisch versierten Fachperson besprechen. Da die Beträge teilweise immens sind (angeblich bis zu 20’000.- CHF also rund 18’000.- EUR) sollten Sie sich notfalls auch den Gang vor Gericht überlegen.

DSGVO – schon ready?

Im vergangen Jahr war ein Rauschen durch den digitalen und analogen Blätterwald zu vernehmen: die DSGVO wird definitiv eingeführt. Was bedeutet dies nun für Ihre Internetpräsenz?

Um diese Frage näher beantworten zu können müssen wir (leider) ein bisschen Ausholen: Im vergangenen Jahr (genauer gesagt am 25. Mai 2018) ist nach einer mehrjährigen Übergangsphase die Datenschutzgrundverordnung (kurz DSGVO) in Kraft getreten. Sie ist grundsätzlich (nur) in der Europäischen Union anwendbares Recht. Die Intention des Gesetzgebers war es, die Persönlichkeitsrechte der EU-BürgerInnen weiter zu schützen und zusammenzubinden. Wichtig ist hervorzuheben, dass Unternehmen nun eine umfassende Aufklärung- und Auskunftspflicht gegenüber dem Betroffenen (in der Regel Websitebesucher und Kunde) hat. Das Recht ist auch für Nicht-EU Unternehmen anwendbar, sofern es seine Waren oder Dienstleistungen auch an InteressentInnen aus der Europäischen Union richtet.

Die Schweiz ist mit der Anpassung ihrer nationalen Gesetzgebung im Verzug. Das Bundesparlament hat die Vorlage jüngst aus politischen Gründen in zwei Teile aufgespalten. Dies gibt den Schweizer Unternehmungen einen Zeitvorsprung. Es ist jedoch zu beachten, dass die Schweiz mit den neuen Datenschutzbestimmungen voraussichtlich teilweise sogar strengere Bestimmungen als in der DSGVO vorgesehen sind, erlassen wird. Das neue Schweizer Datenschutzgesetz (E-DSG) wird voraussichtlich Ende 2020 in Kraft treten. Bis zu diesem Zeitpunkt müssen folgende Voraussetzungen zwingend mit Ja beantwortet werden können:

-Ob die der Webseitenbesucher beim Aufrufen der Seite mittels Hinweisfenster (“Layer”) über die Verwendung von Cookies informiert wird UND er dies aktiv bestätigen muss (sogenanntes Opt-in)

-Ob die Website SSL-Verschlüsselt ist

-Ob die Website eine korrekte Datenschutzerklärung aufweist

-Ob die Website keine Cookies verwendet, welche Aufschlüsse über die Persönlichkeit des Besuchers geben

-Ob ggf. ein Datenschutzbeauftragter für die Unternehmung bestellt ist

PS: Für interessierte Leserinnen gibt es hier noch tiefergehende Informationen.

Sie sehen, liebe Lesende, dass die DSGVO, respektive die E-DSG, für uns alle grosse Herausforderungen bringt. Gerne unterstützten wir Sie bei dieser Challenge und freuen uns auf Ihre Anfrage.